IT Security

Security Day 2026: Security is not a product, it's a mindset

Der 9. Security Day in Stuttgart: warum Sicherheit am Ende keine Frage der Tools ist, sondern eine der Haltung.


Wir machen den Security Day seit neun Jahren. In dieser Zeit hat sich vieles geändert: die Angriffsmuster, die Tools, die Compliance-Anforderungen. Eines hat sich nicht geändert: Die Unternehmen, die mit Security am besten zurechtkommen, sind nicht die mit dem teuersten Stack. Es sind die, die intern eine klare Haltung dazu entwickelt haben.

Dieses Jahr haben wir das Format erweitert. Statt eines reinen Vortragsprogramms gab es am Nachmittag sechs parallele Breakout-Sessions, dazu Stände unserer Partner zum Anfassen und Ausprobieren. Das bunte Rahmenprogramm inklusive Eiswagen sorgte für einen regen Austausch, dem wir ganz bewusst prominent Platz geben.

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Stefan Hörhammer und ich haben den Tag eröffnet. Stefan als COO der Medialine Group hat eine Anekdote erzählt: Als der Name "Medialine" damals für die Gewerbeanmeldung festgelegt wurde, hat sich niemand groß den Kopf zerbrochen. Es zählte die Idee, nicht das Etikett. Ein perfekter Übergang zu unserem Programm, durch das Dennis Baier als Moderator mit Witz und Tempo stimmungsvoll führte.

Keynote: State of Cybersecurity in 2026

Vaisha Bernard, Chief Hacker bei Eye Security, hat das Publikum von der ersten Minute an mitgenommen. Sein Talk "The State of Cybersecurity in 2026" war eine Reise durch das, was er bei einem der „Magnificent Seven“ gefunden hat: Datenlecks, unauthentisierte interne APIs, Token-Leaks, beschreibbare Blob-Storage-Accounts, ein Zahlungssystem, das er sich theoretisch hätte leerräumen können.

Bei mir hängen geblieben ist weniger die Zahl als die Frage dahinter: Wenn jemand mit der Haltung eines Forschers in drei Monaten 162 kritische Lücken in der Infrastruktur eines Konzerns findet, der wirklich jedes Werkzeug einsetzt, das es gibt, was bedeutet das für unsere eigenen Organisationen? Vaishas Antwort: Es geht nicht darum, mehr Geld auszugeben. Es geht darum, ob wir das Geld für die richtigen Dinge ausgeben.

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Sein Punkt zur KI saß: Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Angreifern und Verteidigern wird durch KI dramatisch schneller. Was früher Wochen brauchte, passiert heute in Stunden. 2026 ist das Jahr, in dem autonome Schwachstellenscans und Red Teaming Realität werden (dazu gleich mehr). Wer darauf nicht vorbereitet ist, läuft hinterher.

 

 

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Praxisbericht Johanniter-Unfall-Hilfe: Vom Chaos zur Struktur

Nach der Pause kam Jörg Hartmann (Mitglied der Geschäftsleitung, Johanniter Unfallhilfe e.V.) mit dem Praxisbericht, der mich am meisten beschäftigt hat. Die Johanniter Unfallhilfe ist gewachsen über Jahrzehnte: Landesverbände mit eigenen IT-Abteilungen, eigene Tools, eigene Kultur, keine einheitliche Sicht auf Assets und Zuständigkeiten. Das klingt nach einem Sonderfall, ist aber der Alltag in vielen Unternehmen, mit denen wir arbeiten. Nur dass dort "Landesverband" eben "Tochtergesellschaft" oder "Werk" heißt.

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Ein Satz von Jörg Hartmann ist mir besonders hängengeblieben: "Die machen das nicht aus Spaß, sondern weil sie ihre Arbeit machen wollen und dann zu dieser Lösung gekommen sind." Eine Hilfsorganisation mit denselben Security-Problemen wie jeder Mittelständler. Andere Strukturen, andere Verantwortung, derselbe Druck. Und immer der Mensch, dem geholfen werden soll, im Mittelpunkt.

Jörg Hartmann hat offen gezeigt, was funktioniert hat und was nicht. Drei Phasen:

  1. Sichtbarkeit herstellen
  2. Governance ohne Diktat
  3. Strukturen verstetigen

Seine wichtigste Aussage war: Betroffene zu Beteiligten machen. Wer zentralisiert, ohne mitzunehmen, scheitert. Sein Hinweis, was nicht geht: Compliance-Druck ohne Ressourcen. Einheitslösungen für sehr unterschiedliche Einheiten. Zentralisierung als erstes Mittel der Wahl.

 

Was bleibt, wenn man den Hype abzieht

Tilman Burchardi, Head of Network Security bei uns, hat den Vormittag mit einer Frage abgeschlossen, die viele im Publikum mitgebracht haben: Was bleibt, wenn man den Hype abzieht? Sein Vortrag hat den Gartner Hype Cycle nüchtern auf die aktuelle KI-Welle gelegt, und gezeigt, dass KI bereits tragfähig ist, weil die Produktivität messbar steigt, die Anwendbarkeit breit ist und Unternehmen einen echten Nutzen sehen.

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Was mich an Tilmans Beitrag gefreut hat: Er hat sich nicht auf eine leere "KI ist die Zukunft"-Botschaft eingelassen. Stattdessen hat er beschrieben, welche Tätigkeiten verschwinden werden (Level-1-SOC-Analyse, Standard-Reporting, Ticket-Triage) und welche neuen Rollen entstehen (AI Security Engineer, Detection Engineer, Security Automation Engineer). Diese Einordnung brauchen unsere Kunden, wenn sie Budgets für die nächsten zwei bis vier Jahre planen.

Praxis-Talk in 30 Minuten

Am 16. Juni zeigt Tilman Burchardi „Do's & Don'ts in der IT-Security" 

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Die Breakouts: Security aus der Praxis in sechs Räumen

Nach dem Mittagessen ging es in zwei parallelen Tracks weiter. Sechs Slots, jeder mit klarem Praxisbezug.

SOC: Wie Bedrohungen frühzeitig erkannt und eingedämmt werden

Markus Henzler, Head of SOC bei uns, und das Team von Eye Security haben gezeigt, wie moderne Threat Detection in der Praxis aussieht. Eindrücklich war ein konkreter Business E-Mail Compromise (BEC)-Fall: Freitagabend, 15 Minuten Zeitfenster, klare Eskalationskette.

Physical Security: Wie Zutrittssteuerung und Videoüberwachung mit IT-Sicherheit zusammenwachsen

Verkada hat den Punkt deutlich gemacht: Unter NIS-2 ist physische Sicherheit kein separates Thema mehr. Wer Zugang zu Serverräumen, Produktionsanlagen oder kritischen Standorten denkt, muss Cyber und Physical zusammendenken. Verkada hatte vor Ort zusätzlich einen Stand aufgebaut, mit Kameras und einem cloudbasierten, KI-gestützten Erkennungssystem zum Anfassen.

Offensive Security: Mensch gegen Maschine – autonomes Pentesting in der Praxis

Voller Raum, intensive Diskussionen im Anschluss. Es ging um autonomes, KI-gesteuertes Pentesting, also das Prinzip, sich kontinuierlich aus Angreiferperspektive zu validieren, bevor reale Angreifer die offenen Wege finden. Das Engagement im Slot und die Fragen danach haben gezeigt, wie relevant Continuous Security Validation und Exposure Management für unsere DACH-Kunden geworden sind.

WAF: Deep Dive Web Application Security

Daniel Joos, stv. Head of Web Application Security, und Ergon Airlock haben in zwei Live-Demos (inklusive zwei Deutschland-Premieren) gezeigt, wie ein identity-basiertes Application Gateway funktioniert: Token Exchange, Identity Propagation, Microgateway in Kubernetes. Dazu ein Ausblick auf die EUDI Wallet, die Ende 2026 kommt. Wer mitgeschrieben hat, hatte am Ende ein volles Heft.

Network Security: Von der Firewall zur Security Fabric

Marco Schlumpberger, stv. Head of Network Security, hat den Weg in drei Phasen aufgezeigt: erst Firewall, dann Integration, dann Security Fabric. Mit konkreten Use Cases wie Compromised Host, Endpunkt-Quarantäne und automatischer Policy-Anpassung. Der Punkt: Keine Einzellösungen mehr. Integration ist die einzige Antwort auf die wachsende Komplexität.

Compliance: "Compliance stärkt – aber warum, wen und was eigentlich?"

Martina Vogt-Merkel, Head of Security Consulting & Awareness, hat einen Punkt eingebracht, der in der Branche oft fehlt: Compliance stärkt Menschen in Rollen, nicht Unternehmen auf dem Papier. NIS-2, DORA oder ISO als reine Pflicht abgearbeitet, bringt wenig. Als Werkzeug für interne Klarheit genutzt, ändert es etwas.

 

 

Praxis-Talk in 30 Minuten

Am 23. Juni zeigt Martina Vogt-Merkel, wie Sie „NIS-2 umsetzen statt analysieren" 

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Was kommt als nächstes auf Ihre Liste?

Den Abschluss hat Mathias Speh, Head of Sales bei uns, mit einer Frage gestaltet: "Was haben Sie heute mitgenommen – und was kommt als nächstes auf Ihre Liste?" Eine Frage zum Mitarbeiten statt einer Zusammenfassung von oben herab.

Die Antworten, die ich in den Gesprächen danach gehört habe, gingen in alle Richtungen: konkrete Architekturentscheidungen, Awareness-Programme, die Überzeugung, dass Security eine Führungsaufgabe ist und nicht delegierbar.

Wenn ich auf den Tag zurückblicke, bleibt vor allem ein Bild: Vaisha Bernard und Jörg Hartmann. Zwei sehr unterschiedliche Menschen, dieselbe Haltung. Der eine sucht Lücken, weil er nicht anders kann. Der andere baut Strukturen, weil seine Organisation Menschen helfen will. Beide haben gezeigt, dass Werkzeuge zweitrangig sind. Was zählt, ist die Frage, warum man tut, was man tut.


Danke an alle Beteiligten!

Unsere Partner haben diesen Tag erst möglich gemacht: Eye Security, Verkada, Fortinet, Ergon Airlock und Horizon3.ai. Mehr als einer von ihnen hat uns nach dem Tag gesagt, dass die Stimmung mit unseren Kunden eine besondere sei: offen, direkt, auf Augenhöhe. Das ist kein Zufall. Wir bauen unsere Kundenbeziehungen seit Jahren genau so.

Und vor allem: Danke an alle, die sich die Zeit genommen haben. Einen ganzen Tag, manche mit Anreise am Vorabend. Das ist Vertrauen. Und das nehmen wir nicht als selbstverständlich hin. Security ist kein Produkt, sondern ein Mindset. Es geht darum, dass der Laden läuft, für die Menschen, die ihn am Laufen halten.

Wir sehen uns auf dem kommenden 10. Security Day. Ein rundes Jubiläum, auf das wir uns jetzt schon freuen.

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