IT Security

IT-Trends 2026 | Teil 1 – Security, KI & Compliance

NIS2 in Kraft, KI-Angriffe auf dem Vormarsch. Was heißt das für Ihre Sicherheitsarchitektur? Von Zero Trust über KI-gestützte Abwehr bis zur Frage, wo unsere Daten eigentlich liegen.


Diese Blogreihe gibt Antworten auf die dringenden Tech-Fragen dieses Jahres. Wir beleuchten neun IT-Trends, die 2026 prägen werden:

  1. Verschmelzung von KI und Security
  2. Zunehmende Regulatorik (NIS2, Datensouveränität)
  3. KI-getriebener Infrastrukturboom
  4. Energie als Engpassfaktor der KI-Ära
  5. Wandel der Datacenter- und Cloud-Landschaft
  6. Demokratisierung der Softwareentwicklung
  7. Wachsende Komplexität und Orchestrierungsbedarf
  8. Reasoning-Modelle und KI-Agenten
  9. Robotik und physische KI

In diesem ersten Teil geht es um die Trends 1 und 2 – und um die Frage, wie eine Sicherheitsarchitektur aussehen muss, die beides zusammenbringt.

🎯 Kein Ziel ist zu klein

Der BSI-Lagebericht 2025 bestätigt, was wir im Tagesgeschäft längst spüren: Die Lage bleibt angespannt. Durchschnittlich 119 neue Sicherheitslücken werden pro Tag bekannt – 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den 950 erfassten Ransomware-Angriffen waren 80 Prozent der Opfer kleine und mittelgroße Unternehmen.

Die eco-Sicherheitsumfrage 2025 des Verbands der Internetwirtschaft ergänzt das Bild: 93 Prozent der befragten Unternehmen erwarten, dass KI die Bedrohungslage weiter verschärft. Jedes sechste Unternehmen war in den vergangenen zwölf Monaten von mindestens einem gravierenden Sicherheitsvorfall betroffen.

Was mich dabei am meisten beschäftigt: Die Angreifer arbeiten wirtschaftlicher als je zuvor. Sie führen Kosten-Nutzen-Analysen durch und wählen ihre Ziele nach dem Prinzip des geringsten Widerstands. Bundesinnenminister Dobrindt hat es treffend formuliert:

„Es gibt keine uninteressanten Ziele für Cyberangriffe, solange Aufwand und Nutzen in einem günstigen Verhältnis stehen."

Das betrifft gerade den Mittelstand. Wer denkt „Uns greift doch keiner an", unterschätzt, wie attraktiv ein Unternehmen ohne dediziertes Security-Team für Angreifer ist.


🛡️ KI als Verteidiger: Vom Nice-to-have zum Standard

Klassische Sicherheitssysteme erkennen bekannte Angriffsmuster. Sie vergleichen, was passiert, mit dem, was sie schon kennen. Das reicht nicht mehr. Angreifer entwickeln ihre Methoden ständig weiter, oft mit KI-Unterstützung.

KI-basierte Verteidigung funktioniert anders: Sie lernt kontinuierlich dazu, identifiziert Anomalien in Echtzeit und reagiert automatisiert. Das verkürzt die „Dwell Time“, also die Zeitspanne, in der sich Angreifer unbemerkt im Netzwerk bewegen. Statt Wochen oder Monate sind es oft nur noch Stunden. Das ist entscheidend, weil der Schaden direkt davon abhängt, wie lange Angreifer unentdeckt bleiben.

Gartner nennt das „Preemptive Cybersecurity" – Sicherheitsstrategien, die Bedrohungen neutralisieren, bevor sie Schaden anrichten. In den Top-10-Technologietrends für 2026 tauchen außerdem „AI Security Platforms" auf: konsolidierte Plattformen, die den gesamten Lebenszyklus von KI-Anwendungen absichern, vom Modelltraining über Datenqualität bis zur Angriffserkennung.

Die Technologie existiert längst. Die Frage ist, ob Unternehmen sie einsetzen.

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Das Fachkräfteproblem: Warum KI es lindert, aber nicht löst

Ein Thema, das in fast jedem meiner Gespräche auftaucht: „Wir finden keine Leute." Security-Teams sind chronisch unterbesetzt. Und der Arbeitsmarkt gibt nicht mehr her.

KI kann hier entlasten. Sie filtert und priorisiert Alarmmeldungen, von denen täglich Tausende eingehen. Sie korreliert Daten aus verschiedenen Quellen und erstellt erste Zusammenfassungen bei Vorfällen. Das gibt Analysten Zeit für das, was menschliches Urteilsvermögen wirklich erfordert: strategische Bewertungen, schwierige Entscheidungen, Kommunikation mit dem Management.

Aber KI erkennt Muster, keine Motive. Für Kontext, für das Einordnen von Risiken, für die Frage „Was bedeutet das für unser Geschäft?" braucht es weiterhin Menschen. Unternehmen brauchen Security-Teams, die KI verstehen, kritisch hinterfragen und gezielt einsetzen können. Das ist die eigentliche Herausforderung. Und ein Grund mehr, in Kompetenzaufbau zu investieren.

Zero Trust: Vertrauen ist keine Architektur

Mit NIS2 ist viel über Compliance gesprochen worden. Weniger über die Frage, wie eine Sicherheitsarchitektur tatsächlich aussehen muss, die den neuen Anforderungen standhält.

Das klassische Perimeter-Denken – innen sicher, außen gefährlich – ist überholt. Remote Work, Cloud-Dienste, externe Partner, zunehmend auch KI-Agenten: Die Grenzen sind längst aufgelöst.

Wer sich noch auf Firewalls am Unternehmensrand verlässt, verteidigt eine Festung, deren Mauern nicht mehr existieren.

Zero-Trust-Architekturen setzen einen anderen Gedanken um: Jeder Zugriff wird hinterfragt und verifiziert. Niemand bekommt Vertrauen geschenkt. Jeder muss es sich verdienen, bei jedem Zugriff neu.

Ja, das bedeutet Aufwand. Aber Zero Trust ist die logische Konsequenz aus einer Welt, in der ein kompromittierter KI-Agent kein gewöhnlicher Sicherheitsvorfall ist, sondern ein Insider, der rund um die Uhr aktiv ist und oft weitreichende Zugriffsrechte hat.

Zero Trust ist kein Produkt, das man kauft. Es ist ein Architekturprinzip, das sich durch alle Schichten zieht: von der Identitätsverwaltung über die Netzwerksegmentierung bis zur Anwendungsebene.

🌍 Datensouveränität: Wo liegen Ihre Daten wirklich?

Parallel zu NIS2 rückt ein Thema in den Fokus, das lange unterschätzt wurde: Datensouveränität.

Das Problem ist strukturell. Der US Cloud Act verpflichtet amerikanische Unternehmen zur Herausgabe von Daten an US-Behörden, unabhängig davon, wo die Server stehen. Bei Anhörungen vor dem französischen Senat mussten große US-Cloud-Anbieter einräumen, dass sie europäische Daten nicht zuverlässig vor solchen Zugriffen schützen können. Die betroffenen Kunden erfahren von Herausgabeanordnungen in vielen Fällen nichts.

Gartner spricht von „Geopatriation", der Verlagerung von Daten und Workloads von globalen Hyperscalern in souveräne oder regionale Clouds. Dahinter steckt eine nüchterne Frage: Wie viel Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern ist verantwortbar?

Diese Frage wird drängender, je mehr KI-Systeme auf sensible Unternehmensdaten zugreifen. Welche Daten fließen in die KI-Systeme? Wohin gehen sie? Wer hat Zugriff? Das sind genau die Fragen, die NIS2 ohnehin zur Beantwortung zwingt. Und die für sichere KI-Projekte unverzichtbar sind.

Drei Bausteine für 2026

Was ich aus den Gesprächen der letzten Wochen mitnehme: Die Unternehmen, die am besten aufgestellt sind, haben drei Dinge verstanden.

✅ Sichtbarkeit vor Maßnahmen. Bevor man irgendetwas absichern kann, muss man wissen, was man hat. Welche Systeme laufen? Welche Abhängigkeiten bestehen? Wo fließen Daten hin? Die NIS2-Dokumentationspflichten sind keine Bürokratie. Sie schaffen die Grundlage für alles Weitere. Wer seine Landschaft nicht kennt, kann sie nicht verteidigen.

✅ KI in die Verteidigung integrieren, jetzt. Als operative Fähigkeit für 2026, nicht als Pilotprojekt für irgendwann. Das bedeutet nicht, alles auf einmal umzukrempeln. Es bedeutet, bei der nächsten Investitionsentscheidung im Security-Bereich zu fragen: Kann dieses System lernen? Kann es Anomalien erkennen? Kann es automatisiert reagieren?

✅ Die Standortfrage ernst nehmen. Wo liegen die Daten? Wer hat rechtlich Zugriff? Was passiert, wenn sich geopolitische Rahmenbedingungen ändern? Unternehmen, die jetzt ihre Cloud-Strategie überprüfen, ersparen sich später schmerzhafte Migrationen.

 

Sicherheit als kontinuierlicher Prozess

Zero Trust, KI-gestützte Abwehr, Datensouveränität: Das sind konkrete Architekturentscheidungen, die 2026 getroffen werden müssen.

Der Markt für IT-Sicherheit in Deutschland wächst laut Bitkom 2026 voraussichtlich um knapp 10 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro. Die Unternehmen haben verstanden: Ohne diese Investitionen lässt sich der Betrieb nicht aufrechterhalten.

 

Die Reihe “IT-Trends 2026” - So geht es weiter:

Im nächsten Teil geht es um die Demokratisierung der Softwareentwicklung. Wenn plötzlich jeder im Unternehmen eigene Anwendungen bauen kann, entstehen neue Chancen, aber auch ein neuer Orchestrierungsbedarf. Wie die IT dabei den Überblick behält, ist die entscheidende Frage.

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