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Chipkrise 2026: Warum der KI-Boom den Hardwaremarkt verschärft

Wie ernst ist die Chipkrise für Unternehmen? ▶️ Martin und Stefan Hörhammer sprechen über Lieferengpässe, steigende Preise und strategische IT-Beschaffung.


Hörhammer & Hörhammer - Folge 5

Ist die Chipkrise real oder nur Verkaufsstrategie?

 

Inhalt der Folge

Warnungen vor knappen Chips, längeren Lieferzeiten und steigenden Hardwarepreisen sind im IT-Markt nicht neu. Deshalb stellt sich zu Beginn der Folge die Frage: Handelt es sich erneut um künstlich erzeugten Verkaufsdruck – oder zeichnet sich tatsächlich eine ernsthafte Versorgungskrise ab?

Für Martin und Stefan Hörhammer ist die Antwort eindeutig: Die aktuelle Situation ist kein reiner Marketingeffekt. Zwar werden heute mehr Halbleiter produziert als je zuvor. Gleichzeitig steigt der weltweite Bedarf jedoch so stark, dass die verfügbaren Kapazitäten nicht ausreichen, um sämtliche Nachfrage zu bedienen.

Die Folge spricht deshalb weniger von einer klassischen Produktionskrise als von einer Priorisierungskrise: Die entscheidende Frage lautet nicht nur, wie viele Chips hergestellt werden, sondern welche Unternehmen und Anwendungsbereiche bevorzugt beliefert werden.

Wenn einer von vier Kunden leer ausgeht

In der Folge wird eine Prognose diskutiert, nach der die großen IT-Hersteller für 2027 nur mit einer Bedarfsdeckung von rund 72 Prozent rechnen können.

Vereinfacht bedeutet das: Ungefähr drei von vier Bedarfen könnten erfüllt werden – einer möglicherweise nicht.

Die knappen Kapazitäten werden dabei nicht gleichmäßig verteilt. Strategisch wichtige Abnehmer, große Volumina und besonders zahlungskräftige Kunden erhalten eher Zugriff auf verfügbare Komponenten. Andere Unternehmen müssen mit längeren Wartezeiten, höheren Preisen oder eingeschränkten Konfigurationsmöglichkeiten rechnen.

Damit wird die Beschaffung von Rechenleistung zunehmend zu einer strategischen Aufgabe.

Neue Chipfabriken lösen das Problem nicht kurzfristig

Steigende Preise könnten theoretisch einen Anreiz schaffen, neue Produktionskapazitäten aufzubauen. In der Praxis lassen sich Halbleiterfabriken jedoch nicht kurzfristig errichten.

Neben hohen Investitionen benötigen Hersteller spezialisiertes Know-how, qualifizierte Fachkräfte, geeignete Standorte und komplexe Lieferketten. Der Aufbau neuer Fertigungskapazitäten dauert Jahre.

Europa steht zusätzlich vor der Herausforderung, dass in bestimmten Bereichen nicht mehr ausreichend eigenes Produktionswissen und keine durchgängigen industriellen Strukturen vorhanden sind. Mehr technologische Souveränität lässt sich deshalb nicht allein durch politische Zielsetzungen erreichen.

Selbst umfangreiche Investitionen werden die aktuelle Verknappung nicht kurzfristig beseitigen.

Höhere Gebote verändern bestehende Lieferketten

Die angespannte Situation führt dazu, dass selbst bestehende Liefervereinbarungen nicht immer die erwartete Sicherheit bieten.

In der Folge wird das Beispiel eines Vorlieferanten genannt, der aus einer Vereinbarung ausgestiegen ist, weil ein anderer Abnehmer deutlich mehr für die gleichen Kapazitäten geboten hat.

Damit verändern sich die Regeln der IT-Beschaffung. Lieferzeit und Preis sind nicht länger verlässliche Konstanten, sondern zunehmend zwei variable Faktoren. Ein Produkt kann heute verfügbar sein, morgen bereits ausverkauft oder nur noch zu einem höheren Preis erhältlich sein.

Für Unternehmen erschwert das sowohl die Budgetplanung als auch die zuverlässige Umsetzung langfristiger Infrastrukturprojekte.

Vom strategischen Einkauf zur reinen Beschaffung

Besonders deutlich werden die Auswirkungen im Einkauf.

Unter normalen Bedingungen werden Angebote verglichen, Konditionen verhandelt und unterschiedliche Hersteller oder Konfigurationen bewertet. Bei knappen Kapazitäten bleibt für diese Prozesse häufig keine Zeit.

Einkäufer müssen dann entscheiden, bevor Vergleichsangebote vorliegen oder ein endgültiger Preis verbindlich feststeht. Ihre Aufgabe verschiebt sich dadurch von der wirtschaftlichen Optimierung hin zur grundlegenden Frage, ob die benötigte Hardware überhaupt beschafft werden kann.

Aus strategischem Einkauf wird operative Beschaffung unter Zeitdruck.

Das betrifft nicht nur Server oder spezialisierte AI-Systeme. Auch Speicher, Netzwerkkomponenten, Endgeräte und weitere Infrastruktur können von eingeschränkter Verfügbarkeit und dynamischen Preisen betroffen sein.

Compute wird zum strategischen Rohstoff

Martin und Stefan Hörhammer beschreiben Rechenleistung als einen neuen Rohstoff.

Compute-Kapazitäten sind die Grundlage für immer mehr digitale Geschäftsprozesse. Besonders der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz treibt den Bedarf zusätzlich an. Leistungsfähigere Modelle, umfangreichere Simulationen, Echtzeitanwendungen und Agentic-AI-Szenarien benötigen erheblich mehr Rechenleistung als klassische Anwendungen.

Mehr Automatisierung bedeutet deshalb nicht automatisch einen geringeren Infrastrukturbedarf. Unternehmen können ihre Prozesse effizienter gestalten und gleichzeitig wesentlich mehr IT-Kapazität benötigen.

Wer beispielsweise mithilfe von AI deutlich mehr Berechnungen oder Simulationen ausführt, steigert zwar seine operative Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig wachsen jedoch die Anforderungen an Server, GPUs, Speicher, Netzwerke und Rechenzentren.

Der Bedarf von morgen lässt sich nicht mit den Zahlen von gestern planen

Ein zentraler Fehler besteht darin, zukünftige Infrastruktur ausschließlich anhand des aktuellen Verbrauchs zu dimensionieren.

Unternehmen betrachten häufig ihre heutige Auslastung und leiten daraus den Bedarf der kommenden Jahre ab. Dabei werden neue AI-Anwendungen, zusätzliche Echtzeitprozesse und ein steigender Automatisierungsgrad nicht ausreichend berücksichtigt.

Die Folge plädiert deshalb für eine strategische Bedarfsplanung. Nicht jede technologische Entwicklung lässt sich exakt vorhersehen. Unternehmen können jedoch belastbare Szenarien und Blueprints entwickeln:

  • Welche Anwendungen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit eingeführt?

  • Welche zusätzlichen Compute- und Storage-Kapazitäten benötigen sie?

  • Welche Systeme erreichen in den kommenden Jahren ihr Lebensende?

  • Welche Reserven werden für Wachstum und neue AI-Workloads benötigt?

  • Welche Komponenten könnten besonders stark von Engpässen betroffen sein?

Auf dieser Grundlage lässt sich frühzeitig entscheiden, welche Infrastruktur beschafft oder langfristig gesichert werden sollte.

Abwarten wird voraussichtlich nicht günstiger

Die Hoffnung, dass sich Preise und Lieferzeiten kurzfristig wieder normalisieren, halten Martin und Stefan Hörhammer für unrealistisch.

Langfristig können zusätzliche Produktionskapazitäten die Situation zwar entspannen. Bis dahin könnte sich das allgemeine Preisniveau jedoch deutlich nach oben verschoben haben. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Rechenleistung weiter.

Eine Strategie nach dem Motto „Wir haben noch Hardware und warten erst einmal ab“ birgt deshalb erhebliche Risiken. Unternehmen könnten später nicht nur höhere Preise zahlen, sondern benötigte Systeme möglicherweise gar nicht rechtzeitig erhalten.

Das gilt besonders für Projekte, die feste Modernisierungs-, Vertrags- oder Go-live-Termine haben.

Planlos bestellen ist ebenso riskant

Die Folge spricht sich dennoch nicht für unkontrollierte Vorratskäufe aus.

Ohne klare Strategie große Mengen Hardware zu bestellen, kann ebenso problematisch sein wie vollständiges Abwarten. Fehlende Bedarfsanalysen können zu ungeeigneten Konfigurationen, überdimensionierten Systemen oder Kapitalbindung führen.

Die richtige Reaktion liegt zwischen Aktionismus und Stillstand: Unternehmen müssen ihren technologischen Bedarf strukturiert ermitteln und anschließend frühzeitig handeln.

Dabei sollten sie insbesondere berücksichtigen:

  • welche Workloads künftig betrieben werden,

  • wie stark der Compute-Bedarf wachsen könnte,

  • welche Architektur langfristig skalierbar ist,

  • welche Systeme besonders kritisch für den Betrieb sind

  • und welche Beschaffungsrisiken abgesichert werden müssen.

Fazit: Jetzt planen statt später improvisieren

Die aktuelle Chipkrise ist keine reine Produktionskrise. Sie entsteht aus einer Kombination aus begrenzten Kapazitäten, einer globalen Priorisierung verfügbarer Komponenten und einem stark wachsenden Bedarf an Rechenleistung.

Vor allem künstliche Intelligenz wird diese Entwicklung weiter beschleunigen. Unternehmen benötigen mehr Compute, während Preise und Lieferzeiten gleichzeitig schwerer kalkulierbar werden.

Deshalb ist weder unüberlegtes Bestellen noch passives Abwarten die richtige Strategie. Unternehmen sollten jetzt ihren zukünftigen Bedarf bestimmen, eine belastbare Infrastrukturplanung entwickeln und Beschaffungsentscheidungen frühzeitig vorbereiten.

Die zentrale Botschaft der Folge lautet: Es wird kurzfristig voraussichtlich weder günstiger noch einfacher. Wer seine IT-Infrastruktur strategisch plant, verschafft sich deshalb einen entscheidenden Handlungsvorsprung.

 

Weitere Folgen

 In den kommenden Folgen sprechen Martin und Stefan Hörhammer über aktuelle Entwicklungen an der Schnittstelle von IT, Wirtschaft und Unternehmensstrategie – direkt, verständlich und mit einem klaren Blick auf die Praxis. 

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