Ist 2026 das Jahr der mutigen IT-Entscheidungen – oder der großen Fehlentscheidungen? Für Martin und Stefan Hörhammer ist klar: Es wird beides geben. Das größere Risiko liegt jedoch häufig nicht in einer falschen Entscheidung, sondern darin, gar keine zu treffen.
Denn auch Abwarten ist eine Entscheidung. Während Unternehmen den Status quo verwalten, nutzen andere die vorhandenen Chancen und entwickeln sich weiter. Angesichts der hohen Veränderungsgeschwindigkeit kann eine vertagte Entscheidung deshalb schnell dazu führen, dass ein technologischer oder wirtschaftlicher Rückstand später kaum noch aufzuholen ist.
Abwarten verwaltet den Status quo
In vielen Unternehmen lautet die vermeintlich sichere Entscheidung zunächst: Wir warten ab. Fehlende Budgets, unsichere Rahmenbedingungen, begrenzte Hardwareverfügbarkeit oder fehlendes Know-how werden zu Gründen, Investitionen und Veränderungen aufzuschieben.
Damit wird jedoch keine Sicherheit geschaffen. Stattdessen richtet sich der Blick fast ausschließlich auf die Bewahrung des aktuellen Zustands. Mutige, nach vorne gerichtete Energie geht verloren – und notwendige Veränderungen werden immer weiter vertagt.
Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist diese Haltung nachvollziehbar, aber riskant. Wer bei nachlassender Nachfrage beispielsweise zuerst Innovation, Digitalisierung oder Marketing zurückfährt, verschärft unter Umständen genau das Problem, das eigentlich gelöst werden soll.
KI erhöht die Veränderungsgeschwindigkeit
Besonders deutlich wird der Handlungsdruck beim Thema künstliche Intelligenz. KI verändert nicht nur einzelne Anwendungen, sondern die Geschwindigkeit, mit der Unternehmen Innovationen entwickeln, Prozesse automatisieren und Effizienzpotenziale erschließen können.
Aus einem technologischen Experiment wird zunehmend ein produktives Werkzeug. Damit verändern sich auch Arbeitsplätze, Rollen und interne Abläufe. Unternehmen müssen deshalb Entscheidungen treffen, die weit über die Auswahl einer einzelnen Lösung hinausgehen.
Es geht um Prozesse, Verantwortlichkeiten, Unternehmensstrategie und häufig auch um interne Interessen. Genau deshalb sind viele dieser Entscheidungen unbequem. Sie greifen in etablierte Strukturen ein und stellen bisherige Vorgehensweisen infrage.
Wer diese Veränderungen jedoch vollständig ausblendet, riskiert, von Wettbewerbern überholt zu werden und den entstandenen Abstand später nicht mehr schließen zu können.
Die Angst vor der falschen Entscheidung
Viele Verantwortliche wissen, dass sie handeln müssen. Gleichzeitig fürchten sie, eine falsche Entscheidung zu treffen. Budgets sind begrenzt, technologische Entwicklungen schwer vorhersehbar und nicht jede Investition wird sofort die erhofften Ergebnisse liefern.
Im Mittelpunkt steht deshalb häufig die Frage: Was passiert, wenn es schiefgeht?
Martin und Stefan Hörhammer drehen diese Perspektive um: Was passiert, wenn es funktioniert? Welche neuen Möglichkeiten entstehen, wenn eine Technologie tatsächlich den erwarteten Nutzen bringt, Prozesse verbessert oder Mitarbeitende entlastet?
Diese Sichtweise bedeutet nicht, Risiken zu ignorieren. Sie hilft jedoch dabei, Chancen und Risiken wieder in ein ausgewogenes Verhältnis zu setzen.
Lieber kontrolliert lernen als endlos planen
Eine falsche Entscheidung kann korrigiert werden. Eine nicht getroffene Entscheidung liefert dagegen weder Erfahrungen noch Erkenntnisse.
Entscheidend ist deshalb, vorab ein klares Ziel zu definieren: Was soll erreicht werden? Woran lässt sich erkennen, ob der gewählte Weg funktioniert? Wann muss nachgesteuert oder abgebrochen werden?
Mit klaren Kriterien, überschaubaren Projekten und regelmäßigen Überprüfungen lassen sich Risiken begrenzen. Unternehmen können früh erkennen, ob eine Entscheidung trägt, und aus den Ergebnissen lernen. Der Anspruch sollte nicht darin bestehen, von Beginn an eine hundertprozentig perfekte Lösung zu finden.
Stattdessen geht es darum, schnell und kontrolliert Erfahrungen zu sammeln. Eine Fehlentscheidung wird so nicht automatisch zum Scheitern, sondern zu einer Grundlage für die nächste, bessere Entscheidung.
Vom Konzept zur Umsetzung
Ein weiteres Hindernis ist die eigene Zurückhaltung. Unternehmen warten, weil ihnen noch Kompetenzen fehlen, regulatorische Fragen offen sind oder andere vermeintlich bereits weiter sind.
Doch Know-how entsteht nicht allein durch Konzepte, Schulungen und Strategiepapiere. Irgendwann muss aus Planung konkrete Umsetzung werden. Auch Unternehmen, die heute als Vorreiter gelten, haben einmal mit einem ersten Projekt begonnen.
Zwei Jahre lang Konzepte zu schreiben, ohne etwas umzusetzen, schafft keine Transformation. Deshalb lautet die zentrale Botschaft der Folge: Unternehmen sollten Veränderungen nicht leichtfertig angehen – sie dürfen aber auch nicht auf vollständige Sicherheit warten.
Fazit: Mut bedeutet nicht, unüberlegt zu handeln
2026 sollte das Jahr der mutigen IT-Entscheidungen werden. Mutig zu entscheiden bedeutet dabei nicht, Risiken auszublenden oder jeder neuen Technologie hinterherzulaufen.
Es bedeutet, Ziele festzulegen, Chancen und Risiken realistisch zu bewerten, Entscheidungen überprüfbar zu machen und aus der Umsetzung zu lernen. Denn in einer Zeit hoher technologischer Dynamik kann dauerhaftes Abwarten gefährlicher sein als eine Entscheidung, die später angepasst werden muss.
Oder auf den Punkt gebracht: Lieber eine kontrollierte Fehlentscheidung treffen und daraus lernen, als durch Nichtstun den Anschluss verlieren.