Letzte Woche war ich mit einer Delegation der Medialine Group auf der VMware Explore in Las Vegas. Nach einer Woche voller Sessions, Gespräche und Ankündigungen bleibt für mich vor allem eine Frage: Welche Neuerungen sind für die Infrastrukturplanung unserer Kunden tatsächlich relevant?
AI Factory & Security: Infrastruktur für neue Workload-Typen
Medialine Group & VMware by Broadcom: Partnerschaft und Expertise
Moderne Rechenzentrums-Hardware ist teuer – umso wichtiger ist es, die vorhandenen oder neue Ressourcen möglichst effizient auszunutzen. Genau hier setzt VMware Cloud Foundation an: mehr produktive Workloads auf derselben Infrastruktur, ohne Abstriche bei Sicherheit, Hochverfügbarkeit und Performance.
Das beginnt bereits beim Infrastrukturdesign: vSAN kann durch Deduplizierung und Komprimierung den benötigten Storage reduzieren, NVMe Memory Tiering ergänzt teuren RAM durch kostengünstigere NVMe-Kapazität und eine hohe VM-Dichte verbessert die Auslastung der vorhandenen CPU- und Memory-Ressourcen. Gleichzeitig lassen sich klassische VMs, Kubernetes-Workloads und zunehmend auch AI-Workloads auf einer gemeinsamen Plattform betreiben, statt für jeden Anwendungsfall separate Infrastruktur-Silos aufzubauen.
VCF 9.1 verspricht dabei unter anderem Performance-Gewinne von 10 bis 15 Prozent und Hardwarekosteneinsparungen von bis zu 40 Prozent (beispielsweise durch NVMe Memory Tiering). Entscheidend ist jedoch weniger die einzelne Kennzahl als die Richtung dahinter: Aus teurer Hardware soll möglichst viel produktive Leistung herausgeholt und gleichzeitig die Infrastruktur konsolidiert werden.
VMware positioniert VCF unter Broadcom damit zunehmend als gemeinsame Plattform für Enterprise-Anwendungen, Cloud-native Workloads und AI – was weit über klassische Servervirtualisierung hinausgeht. Für Infrastrukturentscheidungen mit mehrjähriger Laufzeit ist diese Entwicklung entscheidend. Deshalb ordne ich im Folgenden ein, welche technischen Neuerungen bereits operativen Mehrwert bieten und wo Unternehmen genauer hinschauen sollten.
Eine zentrale Frage meiner Arbeit ist: Welche neuen Funktionen haben messbare Auswirkungen auf bestehende Umgebungen? Bei VCF 9.1 zeigen die Daten deutliche Verbesserungen:
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Bereich |
Beschreibung |
Verbesserung |
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CPU-Scheduling |
Verbesserungen im Scheduler sollen Workloads effizienter auf CPUs verteilen. |
Bis zu 15 % mehr Effizienz |
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vSAN Scheduler |
Teile des vSAN-Storage-Stacks benötigen durch Optimierungen deutlich weniger CPU-Ressourcen. |
Bis zu 80% weniger Ressourcen |
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Datenbanklast |
Mehr Datenbanktransaktionen bei vergleichbarer Infrastruktur |
Bis zu 30 % Performance |
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Memory Tiering |
Ein Teil des ansonsten benötigten DRAM kann durch günstigere NVMe-Kapazität ergänzt werden. |
Bis zu 40 % Einsparung bei neuen Servern |
Diese Zahlen stammen aus offiziellen Sessions vor Ort. Sie sind kein theoretisches Versprechen, sondern wurden konkret demonstriert. Wichtig ist der Kontext:
Moderne CPUs stellen den Hypervisor vor neue Herausforderungen: Ein physischer Prozessor kann intern aus mehreren NUMA-Bereichen bestehen. Große virtuelle Maschinen benötigen unter Umständen Ressourcen aus mehreren dieser Bereiche. Werden diese ungünstig über unterschiedliche Prozessoren verteilt, entstehen längere Zugriffswege und damit potenzielle Performance-Nachteile.
VCF 9.1 berücksichtigt die tatsächliche CPU- und NUMA-Topologie bei der Platzierung von Workloads deutlich stärker. Zusammengehörige Ressourcen einer VM werden möglichst auf nahe beieinanderliegenden NUMA-Nodes platziert. Gerade bei modernen High-Core-CPUs und großen, performancekritischen VMs kann dies die vorhandene Hardware effizienter ausnutzen und die Performance verbessern.
Ein weiterer relevanter Punkt: AutoRAID im vSAN Stack steht neu in Version 9.1 zur Verfügung. Für Storage-Architekturen bedeutet das weniger manuelle Konfiguration und konsistentere Datenreduktionsraten. Dazu kommen Ready Node Profiles von OEM-Hardwareherstellern, die vorab validierte Konfigurationen liefern.
Neben den technischen Neuerungen rund um VCF gab es am Rande der Explore auch ein strategisches Signal: Broadcom will künftig wieder stärker auf kleinere Unternehmen und klassische Virtualisierungsanforderungen eingehen.
Seit der Übernahme lag der Fokus zunehmend auf integrierten Plattformen wie VMware Cloud Foundation und vSphere Foundation. Wie sich die VMware-Produkt- und Lizenzstrategie seit der Broadcom-Übernahme entwickelt hat, habe ich bereits ausführlich eingeordnet.
Nun deutet sich an, dass Broadcom auch Kunden mit überschaubaren Umgebungen und grundlegenden Anforderungen an eine stabile Servervirtualisierung wieder stärker adressieren möchte. In einem Interview wurde dabei eine Größenordnung von bis zu 128 Cores als Orientierung für solche Umgebungen genannt. Für größere oder funktional anspruchsvollere Infrastrukturen bleiben die integrierten Plattformen VVF und insbesondere VCF im Mittelpunkt der Strategie.
Konkrete Details zur künftigen Ausgestaltung, zum Funktionsumfang und zur Lizenzierung wurden auf der Explore in Las Vegas noch nicht offiziell vorgestellt. Bis zum Ende des Broadcom-Fiskaljahres werden jedoch weitere Details erwartet. Das grundsätzliche Signal ist dennoch interessant: Gerade kleinere Unternehmen fanden sich in der zuletzt stark auf VCF ausgerichteten Strategie nur eingeschränkt wieder. Dabei benötigen gerade diese häufig keine umfassende und automatisierte Private-Cloud-Plattform – und Broadcom scheint diesem Teil des Marktes künftig wieder mehr Aufmerksamkeit schenken zu wollen.
Mehr Informationen sollen im Rahmen der Explore Local Tour folgen, die im Oktober auch in Frankfurt Station macht. Medialine wird die Veranstaltung in Frankfurt als Sponsor begleiten und vor Ort dabei sein. 👉Melden Sie sich direkt an!
Hybrid-Cloud-Szenarien gewinnen weiter an Bedeutung. Die Azure VMware Solutions wurden aktualisiert. Gerade für Disaster-Recovery-Szenarien ist die verkürzte Bereitstellungszeit relevant: Ausweichkapazitäten lassen sich innerhalb weniger Stunden statt mehrerer Tage bereitstellen. Gleichzeitig können Unternehmen vorhandene Lizenzrechte weiterverwenden, anstatt für hybride Szenarien vollständig neue Kostenstrukturen aufzubauen.
Die relevantesten Punkte aus technischer Sicht:
Wie stark AI, Automatisierung und neue Workload-Typen inzwischen die Architektur von Rechenzentren verändern, haben wir auch in unserem Beitrag zu den IT-Trends 2026 rund um Infrastruktur und Datacenter eingeordnet.
Gleichzeitig wächst mit autonomen Systemen der Kontrollbedarf. AgentMinder soll AI-Agenten überwachen, Aktionen autorisieren und Aktivitäten nachvollziehbar machen. vDefend schützt Workloads direkt innerhalb der Infrastruktur: Durch Mikrosegmentierung lassen sich Kommunikationswege zwischen Anwendungen gezielt kontrollieren und Angriffe in ihrer seitlichen Ausbreitung begrenzen. Mit VCF 9.1 wird dieses Zero-Trust-Prinzip über Region, Availability Zone, Environment, Application und Application Tier strukturiert und durch eine RBAC-Integration für Labels ergänzt.
Für komplexere Anwendungslandschaften ist diese Verbindung aus AI-Infrastruktur und granularer Kontrolle entscheidend: Neue Workloads müssen nicht nur performant laufen, sondern auch steuerbar und nachvollziehbar bleiben. Künftig soll SSP zudem mehrere NSX-Manager unterstützen und damit verteilte Management-Strukturen ermöglichen.
Die technischen Fortschritte sind relevant – rechtfertigen aber keine pauschale Umstellung. Entscheidend ist, ob eine Neuerung ein konkretes Betriebsproblem löst, wirtschaftlichen Mehrwert schafft und zur vorhandenen Architektur passt.
Nicht jedes neue Feature rechtfertigt ein sofortiges Upgrade. Entscheidend ist, wo VCF 9.1 konkrete technische oder wirtschaftliche Vorteile für die eigene Infrastruktur schafft.
Besonders interessant wird ein Upgrade, wenn Support-Zeiträume auslaufen, Hardware erneuert wird, bestehende Ressourcen effizienter genutzt werden sollen oder Performance-Engpässe bestehen. Auch neue Anforderungen wie Kubernetes, AI oder IT-Self-Service für Entwicklungsabteilungen können ein sinnvoller Anlass sein, die bestehende Plattform- und Private Cloud-Strategie neu zu bewerten.
Für viele mittelständische Unternehmen empfiehlt sich dabei ein schrittweises Vorgehen: Bestehende Investitionen weiter nutzen, Modernisierung gezielt mit ohnehin anstehenden Refresh-Zyklen verbinden und neue VCF-Funktionen dort einsetzen, wo sie einen messbaren Mehrwert schaffen. So wird aus einer Produkt-Roadmap eine belastbare Infrastruktur-Roadmap – statt einer Abfolge technisch möglicher Upgrades.
- Lifecycle / Kompatbilität prüfen: Welche Version läuft aktuell und wie lange besteht noch Support?
- Bedarf gegen Roadmap prüfen: Welche neuen Funktionen lösen tatsächlich eine geschäftliche oder technische Anforderung?
- Neue Funktionen pilotieren: NVMe Memory Tiering, vSAN, vDefend und weitere Neuerungen evaluieren.
- Know-how einplanen: Neue Plattformfunktionen verändern auch Anforderungen an Administration und Betrieb.
- Hersteller- und Partnerwissen nutzen: Roadmaps und technische Neuerungen frühzeitig einordnen, bevor daraus Investitionsentscheidungen werden.
Mir ist bei Veranstaltungen wie der Explore wichtig, nicht nur neue Features mitzunehmen, sondern zu verstehen, was davon für unsere Kunden wirklich relevant wird – und was heute vielleicht noch nicht.
Genau deshalb ist unsere langjährige Partnerschaft mit VMware by Broadcom für mich so wertvoll. Sie gibt uns direkten Zugang zu Roadmaps, technischen Sessions und den Menschen hinter den Produkten. Dass wir in diesem Jahr als „EMEA - Fastest Growing Partner of the Year in EMEA“ ausgezeichnet wurden, freut mich natürlich – entscheidender ist für mich aber das technische Niveau dahinter.
Allein bei den Zertifizierungen, die wir bisher mitbekommen haben, reicht das Spektrum von VCF Administration, Architecture & Implemantation über den vSphere Kubernetes Service (VKS) & VCF Networking bis hin zu VCF Storage. Einige unserer Techniker sind zudem als „Broadcom Knights“ ausgezeichnet und so im direkten fachlichen Austausch mit Spezialisten von Broadcom und erhalten frühzeitig Einblicke in technologische Entwicklungen.
Die VMware Explore verbindet dieses technische Know-how mit dem persönlichen Austausch mit Herstellern, Partnern und Kunden. So können wir neue Funktionen früh einordnen und bewerten, welche davon für konkrete Infrastrukturprojekte tatsächlich relevant sind.
👉 Unser Expertenteam analysiert Ihre aktuelle Infrastruktur und entwickelt eine passende Strategie.
Hinweis für Nicht-Techniker: Dieser Beitrag enthält einige IT-Fachbegriffe aus dem Rechenzentrumsbereich. Im Folgenden finden Sie eine kurze Übersicht der wichtigsten Begriffe:
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Begriff |
Erklärung in einfachen Worten |
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VCF (VMware Cloud Foundation) |
VMware Private-Cloud-Software, mit der Rechenleistung, Speicher, Netzwerk und Security im eigenen Rechenzentrum zentral bereitgestellt und verwaltet werden. |
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NUMA-Scheduling |
Optimiert, welche CPU- und Speicherressourcen eine VM nutzt, damit Daten möglichst kurze Wege haben und die Performance steigt. |
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NVME Memory Tiering |
Nutzt schnelle NVMe-SSDs als zusätzliche Speicherebene zum RAM, um große Memory-Kapazitäten kostengünstiger bereitzustellen. |
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RBAC-Integration |
Rollenbasierte Zugriffskontrolle: Legt fest, wer welche Systeme sehen, bedienen oder verändern darf. |
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AI Factory |
KI optimiertes Infrastrukturkonzept auf Basis VMware Cloud Foundation, mit dem Ziel, dass Unternehmen eigene KI-Modelle und interne Daten sicher und effizient nutzen können. |
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Zero Trust |
Sicherheitsprinzip nach dem Motto „Vertraue niemandem automatisch“ – jeder Zugriff wird geprüft und nur gezielt erlaubt
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SDDC |
Software-Defined Data Center: Compute, Storage und Netzwerk werden nicht einzeln, sondern softwaregesteuert als gemeinsame Infrastruktur verwaltet. |